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17.06.2015 Rügener Inklusionsmodell erfolgreich – Abschlussbericht vorgelegt

Kategorie: Rügener Inklusionsmodell (RIM)

Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit besonderem und ohne besonderen Förderbedarf ist erfolgreich

Logo des Rügener Inklusionsmodells

Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit besonderem und ohne besonderen Förderbedarf ist erfolgreich. Das geht aus dem abschließenden Forschungsbericht zum Rügener Inklusionsmodell hervor, den Prof. Dr. Bodo Hartke (Universität Rostock) und sein Forschungsteam heute in Schwerin offiziell vorgestellt haben.

„Mit den Evaluationsdaten zum Ende der Grundschulzeit im Juli 2014 liegen uns ermutigende Ergebnisse vor“, sagte Bildungsminister Mathias Brodkorb. „Das Rügener Modellvorhaben ergibt ein positives Gesamtbild, das sich bereits in den Ergebnissen zu den Schulleistungen und den Entwicklungsständen der Rügener Schülerinnen und Schüler des Vorjahres abgezeichnet hat. Ich gratuliere allen Beteiligten zu diesem Erfolg. Gleichzeitig sind die Ergebnisse ein Beleg dafür, dass wir den Prozess der Inklusion behutsam und sorgsam vorbereiten müssen, um dabei Schüler, Lehrer und Eltern mitzunehmen“, betonte der Minister.

Die Daten der Rostocker Forschungsgruppe belegen eine positive Wirksamkeit von gemeinsamem Unterricht von Kindern mit besonderem und ohne besonderen Förderbedarf:

  • In der Gruppe der Kinder mit einem hohen Förderbedarf sind
    • positive Effekte im Bereich Lernen,

    • tendenziell positive Effekte im Bereich emotional-soziale Entwicklung und

    • im Bereich Sprache gleichwertige Fördererfolge wie in bisherigen Beschulungsformen zu verzeichnen, was z. B. beinhaltet, dass lernschwache Kinder auf Rügen bereits nach drei Schuljahren die Schulleistungen erreichen, die vergleichbare Kinder in anderen Regionen erst nach vier Jahren erzielen.
  • Die Häufigkeit von sonderpädagogischem Förderbedarf ist auf Rügen deutlich geringer als in der Kontrollgruppe (3,7 % Rügen versus 11,4 % Kontrollgruppe), d. h. das inklusive Rügener Beschulungskonzept beugt sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten Lernen, emotional-soziale Entwicklung und Sprache vor.

  • Negative Effekte von Inklusion auf die Schulleistungen und Entwicklungsstände der Gruppe der Mitschüler sind auszuschließen, wogegen positive Effekte im Bereich emotional-soziale Entwicklung für die Gesamtgruppe aller Schülerinnen und Schüler vorliegen (die Gruppe der Schülerinnen und Schüler auf Rügen zeigt besonders niedrige Werte im Bereich „Verhaltensauffälligkeit“, aber hohe Werte im Bereich „Prosoziales Verhalten“).

  • Die Akzeptanz von Inklusion ist bei den beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen sowie Eltern hoch, wobei sie bei Grundschullehrkräften etwas geringer ausgeprägt ist als bei Schulleiterinnen und -leitern und Sonderpädagoginnen und -pädagogen. Letztere sind zu 100 % Befürworter bzw. Befürworterinnen von Inklusion. 

Die auf Rügen ermittelten Ergebnisse entsprechen im Wesentlichen dem gegenwärtigen Forschungsstand über die Effekte gemeinsamer Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen in den Bereichen Lernen, emotional-soziale Entwicklung oder Sprache.

„Bemerkenswert an den Befunden ist, dass die gemeinsame Beschulung auf Rügen flächendeckend realisiert wurde“, betonte Prof. Dr. Bodo Hartke. „Bei deutlichen Förderbedarfen aufgrund von Beeinträchtigungen in den Bereichen Lernen, emotional-soziale Entwicklung oder Sprache konnte im Einzelfall nicht auf eine Beschulung in einer entsprechenden Förderschule einer Nachbarregion ausgewichen werden. Der gemeinsame Unterricht wurde für so gut wie alle von besonderem Förderbedarf betroffenen Kinder realisiert und nicht nur für Kinder von Eltern, die einen besonderen Wert auf die inklusive Beschulung ihres Kindes legen. Insofern bieten die Rügener Daten Anhaltspunkte um abzuschätzen, was geschieht, wenn Inklusion zum Regelfall wird“, sagte Prof. Hartke.

Bildungsminister Mathias Brodkorb dankte allen Lehrerinnen und Lehrern für ihren Einsatz und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihr Engagement und die geleistete Arbeit.

Kontakt:
Universität Rostock
Philosophische Fakultät
Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung
und Rehabilitation
Prof. Dr. Bodo Hartke

Tel.: 0381 498-2679, Sekretariat -2678
E-Mail: bodo.hartke(at)uni-rostock.de
Internet: www.rim.uni-rostock.de

 

Hier finden Sie die Pressemitteilung auf der Internetseite des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur M-V.

Hier finden Sie den Abschlussbericht der Forschergruppe der Universität Rostock (pdf-Datei):

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