Konzeption im Fachbereich Englisch

Für den Lernbereich Englisch liegen erste konzeptionelle Überlegungen vor. Während der Englischunterricht in der Grundschule zunächst eine spielerische Begegnung mit der englischen Sprache vorsieht und die Entwicklung der sprachlichen Handlungsfähigkeit im Mittelpunkt steht, wird auch hier der Einsatz diagnostischer Verfahren zur Dokumentation und standardisierten Erfassung der Entwicklung auch für diesen Lernbereich von Anfang an empfohlen.

Zur Unterrichtsgestaltung im Fach Englisch

Das zentrale Ziel, die sprachliche Handlungsfähigkeit, wird durch einen aktivierenden und kommunikativen Englischunterricht erreicht, der die Schülerinnen und Schüler zum Sprechen anregt, ihnen aber gleichzeitig genug Zeit gibt, sich in die Sprache hineinzuhören. Ein Unterricht für alle Kinder muss insbesondere denen mit einem erhöhten Förderbedarf genügend Zuversicht vermitteln, sich der Sprache in dieser ersten Phase, der sog. „silent period“, annähern zu können. Erst danach kann das eigene Experimentieren und Sprechen erfolgen (Deneke, 2010, S. 45).

Der Unterricht sollte methodisch so gestaltet sein, dass sich die Schülerinnen und Schüler trotz dieser unterschiedlichen Sprachstände im Umgang mit der Sprache als erfolgreich erleben (Phlippen, 2012). Dabei lässt ein spielerisch und kommunikativ gestalteter Unterricht viele Möglichkeiten der Differenzierung zu, indem

  • ausreichend Struktur und Orientierung für lernschwächere Schülerinnen und Schüler geschaffen wird, z. B. durch ein hinreichendes Besprechen und Visualisieren der Aufgaben sowie durch Bildkarten zur Arbeitsorganisation,
  • zusätzliche Hilfen angeboten werden, z. B. durch Visualisierungen (Bilder) und vorgegebene Satzanfänge,
  • schwächeren Schülerinnen und Schülern Gelegenheiten zum Nachahmen des Modellverhaltens von anderen Kindern gegeben wird,
  • Unterstützung durch Gestik und Mimik durch die Lehrkraft angeboten wird (Phlippen, 2012).

Die Aufgaben im Unterricht sollten so gestaltet sein, dass sie die Kinder zum Englisch lernen motivieren, zum Sprechen ermutigen und spielerisch zur Kommunikation anregen. Den Kindern sollten genügend Freiräume für das Sprechen gegeben werden, in denen sie Englisch sprechen ohne Angst vor Fehlern ausprobieren können. Hilfreich ist es dabei, die Korrektur von Aussprache und Grammatik insbesondere bei schwächeren Schülerinnen und Schülern zu dosieren (Lindemann, 2012) und Modellierungstechniken einzusetzen, die aus dem sprachheilpädagogischen Unterricht bekannt sind.

Diagnostisches Vorgehen

Bisher ist die Auswahl an standardisierten Verfahren zur Erfassung des Lernstandes von Grundschülerinnen und -schülern im Bereich Englisch vergleichsweise gering. Wie das für den Lernbereich Mathematik und Deutsch entwickelte Screeningverfahren zur Kompetenzerfassung in Kindergarten und Schule (KEKS), wird KEKS auch im Bereich Englisch (May & Bennöhr, 2013) zur Früherkennung von Kindern mit Risiken empfohlen. Es bildet zum aktuellen Zeitpunkt das einzige standardisierte diagnostische Verfahren für diesen Lernbereich.

Im Rahmen des Grundschulunterrichts ist die Entwicklung einer kommunikativen Kompetenz von größter Bedeutung. Dazu gehört natürlich auch die Fähigkeit, sich in der englischen Sprache auszudrücken, also zu sprechen. Neben der regelmäßigen Durchführung des oben genannten Screeningverfahrens, das abgesehen vom Schreiben auf die Erfassung der rezeptiven sprachlichen Fähigkeiten abzielt, wird zusätzlich empfohlen, die Sprechleistung der Schülerinnen und Schüler systematisch zu erheben und zu bewerten. Für diesen Zweck bietet es sich an, Sprechanlässe gezielt zu planen und anzuregen und die Sprechleistung der Kinder z. B. mit einem Tonbandgerät aufzunehmen, um sie anhand vorher festgelegter Kriterien zu analysieren. Frisch und Diehr (2008) liefern wichtige Anregungen und Vorlagen für die Realisierung einer solchen regelmäßigen Bewertung sprachlicher Leistungen.


Literatur

Deneke, S. (2010). An einem Strang ziehen – für ein lebensbedeutsames Fach. Praxis fördern, 2, 44-45.

Frisch, S. & Diehr, B. (2008). Mark their words: Sprechleistungen im Englischunterricht der Grundschule fördern und beurteilen. Braunschweig: Westermann.

Lindemann, B. (2012). So könnte es gehen! Inklusiver Englischunterricht. Praxis Fremdsprachenunterricht Englisch, 9 (1), 15-16.

May, P. & Bennöhr, J. (2013). Kompetenzerfassung in Kindergarten und Schule. Handbuch. Berlin: Cornelsen.

Phlippen, S. (2012). Inklusion – Die Freude an Heterogenität. At work, 6-7.